Wer Brot selbst backt oder Getreide bewusster einkaufen möchte, stößt schnell auf eine erstaunliche Vielfalt. Die Frage, wie viele Getreidesorten es gibt, hat allerdings keine einzige gültige Antwort: Entscheidend ist, ob man Getreidearten, heute zugelassene Sorten oder historische Landsorten zählt. Hier ordne ich die Zahlen ein und zeige, welche Körner für Brot, Küche und Selbstversorgung wirklich wichtig sind.
Die Zahl hängt davon ab, was als Getreidesorte zählt
- Sieben Hauptgetreidearten prägen die weltweite Ernährung, darunter Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Reis und Hirse.
- In Deutschland gibt es aktuell mehrere hundert zugelassene Sorten, inklusive Mais, Triticale und Sorghum.
- Weltweit existieren viele tausend benannte Sorten, zusätzlich kommen lokale Landsorten und Genbankbestände hinzu.
- Eine Genbank in der Schweiz bewahrt allein mehr als 9.000 Getreidesorten auf.
- Für gutes Brot zählt nicht die größte Zahl, sondern die passende Kombination aus Getreideart, Sorte und Verarbeitung.

Die Zahl hängt von der Definition ab
Im Alltag werden „Getreideart“ und „Getreidesorte“ oft gleich verwendet. Botanisch ist Weizen eine Getreideart beziehungsweise Gattung, während Sorten wie Einkorn, Dinkel oder bestimmte Winterweizensorten innerhalb dieser Gruppe unterschiedliche Zuchtformen sind.
Die Zahl der Arten ist deshalb überschaubar. Bei den Sorten sieht es ganz anders aus. Eine Sorte wird durch ihre erblichen Eigenschaften, ihre Herkunft und ihre gleichbleibenden Merkmale definiert. Schon innerhalb des Weizens gibt es Formen für Brot, Futter, Teigwaren, verschiedene Aussaatzeiten und unterschiedliche Klimaregionen.
| Was wird gezählt? | Realistische Größenordnung | Beispiel |
|---|---|---|
| Hauptgetreidearten | Etwa 7 | Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Reis, Hirse |
| Getreidearten mit Untergruppen | Etwa 8 bis 12 oder mehr | Triticale, Sorghum, Dinkel, Emmer und Einkorn |
| Amtlich zugelassene Sorten in Deutschland | Mehrere hundert, ungefähr im Bereich von 900 inklusive Mais | Winterweizen, Gerste, Roggen, Hafer, Mais und weitere |
| Historische und genetisch erhaltene Sorten | Viele tausend | Landsorten, alte Zuchtlinien und Genbankmuster |
Eine weltweite Gesamtzahl lässt sich nicht seriös nennen. Manche Namen bezeichnen dieselbe Sorte in verschiedenen Regionen, andere Sorten sind nur lokal bekannt. Außerdem entstehen neue Züchtungen, während alte Sorten aus dem Anbau verschwinden oder nur noch in einer Genbank erhalten werden.
Sieben Hauptgetreide prägen unsere Ernährung
Für die menschliche Ernährung gelten meist Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Reis und Hirse als die wichtigsten Getreidegruppen. Je nach Definition werden auch Sorghum und Triticale gesondert aufgeführt. Triticale ist eine Kreuzung aus Weizen und Roggen und wurde vor allem für hohe Erträge und robuste Anbaueigenschaften gezüchtet.
- Weizen ist das wichtigste Brotgetreide in Deutschland. Dazu gehören Weichweizen, Hartweizen, Dinkel, Emmer und Einkorn.
- Roggen prägt kräftige Sauerteigbrote. Er kommt mit kühleren und ärmeren Böden besser zurecht als viele Weizensorten.
- Gerste wird vor allem als Futter- und Braugetreide genutzt, kann aber auch geschrotet oder als Zutat in Mischbroten verwendet werden.
- Hafer liefert Flocken, Mehl und Schrot. Für Brot wird er meist mit Weizen oder Roggen kombiniert, weil ihm ein stabiles Klebergerüst fehlt.
- Mais spielt in Fladenbroten, Polenta und vielen regionalen Küchen eine große Rolle.
- Reis ist weltweit eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel, in Deutschland aber kein typisches Brotgetreide.
- Hirse und Sorghum sind besonders in trockenen Regionen bedeutend und gewinnen durch ihre Anpassungsfähigkeit wieder an Aufmerksamkeit.
Amaranth und Quinoa werden häufig dazugerechnet, sind botanisch aber kein echtes Getreide. Sie gehören zu den Pseudogetreiden. Für die Küche sind sie trotzdem interessant, weil ihre Samen ähnlich wie Getreide verwendet und zu Mehl verarbeitet werden können.
In Deutschland gibt es mehrere hundert zugelassene Sorten
Für Deutschland führt das Bundessortenamt jährlich eine aktuelle Sortenliste. Die Ausgabe 2026 berücksichtigt Sorten, die zum Stand vom 21. Juli 2026 zugelassen sind, sowie ausgewählte Sorten aus dem europäischen Sortenkatalog. Gezählt werden dort nicht nur klassische Brotgetreide, sondern auch Mais, Sorghum und verschiedene Nutzungsrichtungen.
Als Größenordnung sind in Deutschland rund 900 Getreide- und Maissorten nachvollziehbar, wenn Winter- und Sommerformen, Körner- und Silonutzung sowie weitere zugelassene Gruppen einbezogen werden. Die Zahl verändert sich jedes Jahr durch Neuzulassungen, auslaufenden Sortenschutz und Sorten, die praktisch keine Bedeutung mehr besitzen.
Die wichtigsten Unterschiede liegen nicht nur im Namen. Züchter prüfen unter anderem Ertrag, Krankheitsresistenz, Standfestigkeit, Reifezeit und Backqualität. Für Bäcker ist beispielsweise entscheidend, wie viel Wasser ein Mehl bindet, wie elastisch der Teig wird und welches Brotvolumen sich erreichen lässt.
| Getreidegruppe | Typische Nutzung | Worauf es bei der Sorte ankommt |
|---|---|---|
| Weichweizen | Brot, Brötchen, Kuchen | Protein, Kleberqualität und Backvolumen |
| Roggen | Sauerteigbrot und Mischbrot | Fallzahl, Geschmack und Säureverträglichkeit |
| Dinkel | Brot, Kleingebäck und Teigwaren | Teigstabilität und Wasseraufnahme |
| Hafer | Flocken, Schrot und Mischmehle | Spelzenanteil, Geschmack und Fettstabilität |
| Gerste | Bier, Futter und Spezialbrote | Malzqualität oder Verwendungseignung |
Ein häufiger Irrtum ist, dass eine offiziell zugelassene Sorte automatisch überall erhältlich oder besonders gut für den Hausgarten geeignet sei. Das stimmt nicht. Die Zulassung sagt vor allem, dass die Sorte bestimmte rechtliche und landwirtschaftliche Kriterien erfüllt. Für den kleinen Anbau sind Standort, Saatgutverfügbarkeit und Verarbeitung oft wichtiger als ein hoher Spitzenertrag.
Alte Sorten machen die Vielfalt noch größer
Neben den modernen Zuchtsorten gibt es historische Landsorten, Hofsorten und regionale Getreideformen. Sie wurden häufig über Generationen an einen bestimmten Boden und ein bestimmtes Klima angepasst. Viele liefern weniger Ertrag, können aber durch Geschmack, Strohqualität oder besondere Widerstandsfähigkeit interessant sein.
Agroscope bewahrt in seiner nationalen Genbank mehr als 10.000 alte und moderne Pflanzensorten auf. Darunter befinden sich nach eigenen Angaben unter anderem 5.141 Weizensorten, 2.198 Dinkelsorten, 846 Triticalesorten, 795 Gerstensorten, 62 Roggensorten und 413 Maissorten. Diese Zahlen zeigen gut, warum eine einfache weltweite Gesamtzahl kaum möglich ist.
Ein Genbankmuster ist allerdings nicht immer dasselbe wie eine heute zugelassene Sorte. Manche Muster stammen aus alten Sammlungen, sind genetisch nicht vollständig beschrieben oder wurden nie für den modernen Anbau geprüft. Ich finde gerade diese Unterscheidung wichtig, weil „in einer Genbank erhalten“ nicht bedeutet, dass das Saatgut im Handel oder für den großflächigen Anbau verfügbar ist.
Alte Getreideformen wie Einkorn, Emmer und Dinkel werden gern als „Urgetreide“ bezeichnet. Fachlich ist dieser Begriff jedoch oft ungenau. Das Max Rubner-Institut weist darauf hin, dass viele heute angebotene Sorten aus Genbankmaterial stammen und in jüngerer Zeit weitergezüchtet wurden. Sie sind deshalb nicht einfach unveränderte Pflanzen aus der Antike.
Welche Getreidesorte fürs Brot wirklich zählt
Wer Brot backt, muss nicht hunderte Sortennamen kennen. Entscheidend ist zuerst die Getreideart. Weizen eignet sich für luftige Brote, Roggen für aromatische Sauerteigbrote und Dinkel für mildere Gebäcke mit nussiger Note.
Innerhalb einer Art beeinflussen Sortenwahl und Mahlverfahren trotzdem das Ergebnis. Zwei Weizenmehle können sich trotz gleicher Typennummer unterschiedlich verhalten. Der Proteingehalt, die Kleberqualität, der Ausmahlungsgrad und die Lagerung wirken oft stärker auf den Teig als ein werbewirksamer Sortenname.
- Für ein lockeres Weizenbrot nehme ich ein Mehl mit guter Kleberqualität und ausreichender Wasseraufnahme.
- Bei Roggenbrot ist ein aktiver Sauerteig wichtiger als die Suche nach einer exotischen Sorte.
- Dinkelteige sollten meist schonender geknetet werden, weil sie schnell weich und instabil werden können.
- Alte Sorten lohnen sich besonders, wenn Geschmack und regionale Herkunft wichtiger sind als maximales Volumen.
- Für den eigenen Anbau sollte man Sorten wählen, die zur Region passen und als keimfähiges Saatgut erhältlich sind.
Auch der Begriff Vollkorn bezieht sich nicht auf eine bestimmte Sorte. Nach den deutschen Leitsätzen für Brot und Kleingebäck muss ein als Vollkornbrot bezeichnetes Brot mindestens 90 Prozent Vollkornanteil am Getreide enthalten. Ob dafür Weizen, Roggen oder eine Mischung verwendet wird, ist eine separate Frage.
Eine realistische Antwort für Einkauf und Selbstversorgung
Die kurze Antwort lautet daher: Es gibt weltweit viele tausend Getreidesorten, aber keine abschließend anerkannte Gesamtzahl. In Deutschland sind je nach Zählweise mehrere hundert Sorten amtlich zugelassen, während Genbanken zusätzlich eine große Zahl historischer und regionaler Formen bewahren.
Für den Einkauf und das eigene Backen bringt diese Vielfalt vor allem Auswahl. Ich würde mich nicht von möglichst seltenen Namen leiten lassen, sondern auf Getreideart, regionale Herkunft, Mahlgrad und Verwendungszweck achten. Genau dort entscheidet sich am Ende, ob aus dem Korn ein gutes, aromatisches und alltagstaugliches Brot wird.